Ausbildung an der Landesrettungsschule der DRK- und ASB-Landesverbände Sachsen-Anhalt gGmbH

Fragen an Franziska Schubert und Jonas Pullwitt, unsere Berufseinsteiger als Notfallsanitäter beim Regionalverband Halle / Bitterfeld e.V.

Beruf: Notfallsanitäter beim ASB

Wie viele Leute fahren im Rettungswagen mit und wie sind die Aufgaben verteilt?

Franziska: Normalerweise zwei Leute, das sind ein Rettungssanitäter und ein Notfallsanitäter (oder Rettungsassistent). Der Rettungssanitäter unterstützt den Notfallsanitäter bei der medizinischen Behandlung, er reicht ihm zum Beispiel benötigtes Material und außerdem fährt er den Rettungswagen. Der Notfallsanitäter kümmert sich um den Patienten, er behandelt und betreut ihn. Außerdem muss er all seine Maßnahmen genau protokollieren. Wenn wir natürlich einen Auszubildenden dabei haben, sind wir zu dritt unterwegs.

Jonas: Genau, zwei Mitarbeiter des Rettungsdienstes fahren auf einem Rettungswagen, das sind Rettungssanitäter und Notfallsanitäter, wobei der Rettungssanitäter für den Transport der Besatzung und des Patienten zuständig ist. Gleichzeitig unterstützt er den Notfallsanitäter bei  medizinischen Maßnahmen. Der Notfallsanitäter ist, so wie Franziska es erklärt hat, alleinverantwortlich für das Protokoll.

Welche Eigenschaften zeichnen gute Kollegen im Rettungsdienst aus?

Franziska: Für mich spielen die Eigenschaften Teamfähigkeit, Ehrgeiz, Vertrauen und Einfühlungsvermögen eine große Rolle.

Jonas: Für mich sind drei Eigenschaften sehr wichtig, nämlich Vertrauen, Teamgeist und die Freude an der Arbeit im Rettungswesen.

Habt Ihr bereits Erfahrungen mit dem leidigen Thema „Gaffer“ gemacht? Würdet Ihr hier einmal kurz schildern, weshalb durch Schaulustige Menschenleben riskiert werden?

Franziska: Mit Gaffern direkt zum Glück noch nicht. Aber es gibt den einen oder anderen Blick, wenn man beispielsweise direkt auf dem Marktplatz einen Einsatz hat. Doch so richtig "krasse" Gaffer hatte ich zum Glück noch nicht. Als junge Frau hat man eher damit zu tun, sich anzügliche Sprüche anhören zu müssen von fremden, jungen Männern. Schaulustige könnten jedoch im Weg stehen oder sogar weitere Unfälle verursachen und damit nicht nur ihr eigenes, sondern auch das Leben anderer in Gefahr bringen.

Jonas: Meistens sind sogenannte Gaffer zugegen bei Ereignissen, die sehr interessant wirken, wie zum Beispiel Unfälle auf Landstraßen oder Autobahnen. Dabei hatte ich bereits mit Schaulustigen zutun. Diese Leute gefährden nicht nur andere, sondern auch sich selbst und das unterschätzen sie. Allein langsames Fahren im Straßenverkehr, um „das Foto“ zu schießen, kann lebensgefährlich sein.

Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag aus? Was sind sogenannte Routinearbeiten? Wie oft müsst Ihr durchschnittlich pro Schicht raus?

Franziska: Zum Schichtwechsel bekommt man eine kurze Dienstübergabe, danach kontrollieren wir den Rettungswagen: Ist alles vollständig? Muss Material aufgefüllt werden? Vor allem müssen jedoch unsere Geräte gecheckt werden. Wenn alles funktioniert sind wir sozusagen startklar für die Schicht. Auch zwischen den Einsätzen müssen wir unser Material immer wieder auffüllen. Außerdem müssen wir am Computer unsere Einsatzprotokolle nachbearbeiten und nicht zu vergessen ist die Instandhaltung unserer Rettungswache. Wir reinigen unsere Umkleide- und Aufenthaltsräume oder Kontrollieren das Medikamentenlager. Zu Dienstende wird der Rettungswagen gereinigt und wir übergeben an die nachfolgende Schicht.  In einer 12h -Schicht der Stadtrettung fahren wir zwischen 7-9 Einsätze.

Jonas: Ein normaler Arbeitstag? Das gibt es im Rettungsdienst nicht, jeder Tag hat seine Besonderheiten und Überraschungen. Routinearbeiten sind die Übernahme des Rettungswagens und die Kontrolle, so wie Franziska erklärt hat. Naja, das Putzen der Rettungswache gehört eben auch dazu. Und um die dritte Frage zu beantworten: Wie schon gesagt, jeder Tag ist anders, deshalb gibt es 12h-Schichten mit drei Einsätzen und dann folgen Schichten mit bis zu neun Einsätzen.

Wie schafft man es in Situationen, in denen es um Leben oder Tod geht, einen ruhigen Kopf zu bewahren?

Franziska: Das ist eine gute Frage… Mir geht es, glaube ich so, dass mein Kopf und mein Körper in schwierigen Situationen einfach funktionieren. Ich weiß, dass klingt wirklich seltsam, aber ich versuche mir bereits auf der Anfahrt Gedanken darüber zu machen, was mich erwarten könnte und wie ich dann handeln möchte. Außerdem möchte ich einfach immer versuchen, dem Patienten bestmöglich zu helfen und das geht nur, wenn man ruhig und konzentriert bleibt und einen "kühlen Kopf" bewahrt.

Jonas: Zuallererst sollte man von Haus aus dafür geeignet sein, einfach die entsprechenden Charakterzüge mitbringen. Zweitens wurden wir sehr gut ausgebildet, eben auch Situationen, in denen es um Leben oder Tod geht, zu bewältigen.

Was war das bisher schönste und einprägsamste Erlebnis in Eurer bisherigen beruflichen Laufbahn?

Franziska: Es gibt tatsächlich viele schöne Momente, da viele Patienten sehr dankbar sind, schon alleine dafür, dass man "einfach nur da ist ". Das erste große Highlight für mich war jedoch das Mitfliegen im Rettungshubschrauber. Und außerdem durfte ich ein junges Paar bei der Geburt ihres Sohnes begleiten. Als das kleine Würmchen dann auf der Welt war, hatte auch ich Freudentränen in den Augen.

Jonas: Das Schönste, was ich in meiner bisherigen beruflichen Laufbahn erleben durfte, war eine sehr überraschende Hausgeburt. Es ist etwas ganz Besonderes, einem Menschenleben auf die Welt zu helfen und das Glück der Eltern zu sehen.

Was wünscht Ihr Euch sich für Eure berufliche Zukunft, habt Ihr Pläne?

Franziska: Für meine berufliche Zukunft wünsche ich mir, dass ich zeitnah noch meinen Praxisanleiter machen kann, und später dann noch einen Lehrgang zum Org. Leiter. Außerdem wünsche ich mir für unseren Beruf eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen, damit es wieder mehr junge Menschen gibt, die diesen tollen und anspruchsvollen Job erlernen wollen. Für mich selbst wünsche ich mir, dass ich niemals meine Motivation und Freude an diesem wunderbaren Beruf verliere und den Menschen in Not immer bestmöglich helfen kann.

Jonas: Ganz einfach: Ich will als Notfallsanitäter im Einsatz stets die richtigen Entscheidungen treffen und immer 110% geben.

Wir danken für das ausführliche Gespräch! ASB Landesverband Sachsen-Anhalt e.V. (Irina Schmaus)


Steckbrief Franziska Schubert
Beruf: Notfallsanitäterin seit August 2018
Alter: 23
beim ASB: seit September 2015
Regionalverband: Halle/Bitterfeld e.V.                       

 

Steckbrief Jonas Pullwitt
Beruf: Notfallsanitäter seit August 2018
Alter: 20
beim ASB: seit September 2015
Regionalverband: Halle/Bitterfeld e.V.