Der ASB-Landesverband Sachsen-Anhalt e.V. zu Besuch in Hettstedt beim Regionalverband Mansfeld-Südharz e.V.

Hier bewegt sich viel, hier soll Neues entstehen- Angebot des ASB in Hettstedt soll ausgebaut werden

Die tatsächliche Integration der Neuankömmlinge in unsere Gesellschaft beginnt eigentlich erst jetzt, so Annette Künzl, Fachkraft für Integration und Projektarbeit.

Die Fahrt ins schöne Mansfelder Land bei herrlichem Sonnenschein und blauem Himmel lässt bereits Mitte Februar einen Hauch von Frühling erahnen. Unser Ziel ist Hettstedt, eine Stadt, die durch den jahrhundertelangen Kupferschieferbergbau sowie durch Verhüttung und Verarbeitung von Nichteisenmetallen geprägt ist. Hier, nahezu zentrumsnah, hat der ASB-Regionalverband Mansfeld-Südharz e.V. sein Domizil. Der ehemalige Kindergarten ist nun Arbeitsplatz von 35 festangestellten sowie etlichen ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern des ASB und seit kurzem Eigentum des Regionalverbandes.
Hier ist vieles in Bewegung, hier soll einiges entstehen, hier wird bald kräftig angepackt! Idyllisch gelegen am Waldrand bietet sich das Gebäude geradezu an, „leichter und schöner zu wohnen im Alter“, so der Geschäftsführer Jörg Ziegner. Die Bausubstanz sei gut erhalten, alles ist ebenerdig zu erreichen und das Beste ist: Der Wald ist nur 50 Meter entfernt, so dass ein Wohnpark „Waldblick“ im Portfolio des Regionalverbandes kein Traum bleiben muss. Erste Kontakte zu einem Architekturbüro sind geknüpft, bereits im kommenden Jahr könnte der Aus- und Umbau beginnen.
Jörg Ziegner hat zum Arbeitsbesuch geladen und leckeren Schokokuchen sowie heißen Kaffee bereitgestellt. Gemeinsam mit Frau Sommerfeld, der Geschäftsstellenleiterin, kommen wir ins Gespräch. Er erklärt, dass neben Erste-Hilfe-Kursen, Katastrophenschutz und Sanitätsdienst, einer Sozialpädagogischen Familienhilfe und einem, aus Ehrenamtlern bestehenden Kriseninterventionsteam (KIT), vor allem der vielgefragte Fahrdienst und die Flüchtlingshilfe das umfangreiche Hilfe-Angebot des ASB-Regionalverbandes Mansfeld-Südharz ausmachen. Und wie auf Befehl läutet das Telefon, Frau Sommerfeld springt auf, telefoniert und notiert eine weitere Patientenfahrt. „Wir fahren Hilfsbedürftige zum Arzt, ins Krankenhaus, zur ambulanten Behandlung, zur Dialyse und natürlich auch wieder nach Hause. Auch rein private Fahrten, wie zum Beispiel zu einer Familienfeier, in den Urlaub oder zur Kur sind für uns kein Problem. Erst kürzlich fuhren wir sogar bis in unser Nachbarland Polen“, erzählt Karina Sommerfeld. Und Jörg Ziegner ergänzt, dass „je nach Wunsch oder Notwendigkeit, liegend, im Rollstuhl, im Tragestuhl, oder auch sitzend, transportiert werden kann“. Dafür stehen neben vier modernen Transportern auch ein sogenanntes „Rollstuhlauto“ Verfügung. Das ist flexibler und wendiger ist als ein Transporter. 
Bei einem Rundgang durch das Haus, vorbei an Schulungsräumen für Erste-Hilfe-Kurse und Beratungsräumen für Mitarbeiter treffen wir auf Annette Künzl. Im Moment ist die agile und lebhafte junge Frau damit beschäftigt, wieder Ordnung im Begegnungszimmer der Flüchtlingshilfe zu machen. Gestern war hier „großer Spielnachmittag“ und so ganz aufgeräumt haben das gemütliche Zimmer die jüngsten Klienten nicht verlassen. „Unsere Frau Künzl ist ein absoluter Glücksgriff für den Regionalverband und verantwortlich für unsere Flüchtlingshilfe“, so Ziegner. Die Fachkraft für Integration und Projektarbeit winkt lächelnd ab und erzählt, dass sie um nichts auf der Welt den Beruf tauschen würde und sie sehr glücklich mit ihrer Arbeit ist. „Jetzt, nach dem Herbst 2015, beginnt die eigentliche Eingliederung der Neuankömmlinge in unsere Gesellschaft, in unser Leben hier in Deutschland“, berichtet sie. Warum? Viele Flüchtlinge haben nun, nach Monaten oder Jahren des Wartens im Rahmen ihres Asylverfahrens, ein mehrjähriges Bleiberecht und sind zuallererst auf Wohnungssuche. Genau hier setzt Annette Künzls Arbeit an. Sie begleitet „ihre“ Schützlinge zu Einwohnermeldeämtern, Wohnungsämtern und Energieversorgern. Diese „Ämterhilfe“ umfasst aber auch, die jüngsten Mitglieder der zu integrierenden Familien: Sie besucht Grundschulen, organisiert deren Freizeitaktivitäten, von Fußball bis Musikschule, oder begleitet die Kinder zum Kinderarzt. Übrigens werden alltägliche Dinge, wie ein Besuch der Sparkasse, schon mal als Rollenspiel inszeniert. 
Annette Künzl mimt dann die Bankangestellte und Djamila aus Syrien ist Willens ein Konto eröffnen. Und es geht noch anschaulicher: Die Mitarbeiter in der Flüchtlingshilfe beim ASB- Regionalverband Mansfeld-Südharz e.V. zeigen, wie beispielsweise in Deutschland Müll sortiert wird. Was kommt in welche Tonne? Sie geben Alltagshilfe und weisen auch darauf hin, dass Pünktlichkeit zur Höflichkeit in Deutschland gehört. Neben all diesen Alltagsfeldern, die es zu „beackern“ gilt, ist natürlich das Erlernen der deutschen Sprache die elementare Grundvoraussetzung für Integration und deshalb wird der Spracherwerb in besonderem Maße gefordert und unterstützt. Zweimal in der Woche geben zwei ehrenamtlich tätige, ehemalige Pädagoginnen, Deutschunterricht. Die beiden sind ganz nebenbei auch „Kuscheloma“ oder „Mama“ und haben für jeden „ihrer“ Flüchtlinge offene Ohren und ein großes Herz. 
Nach erfolgreicher Wohnungssuche gemeinsam mit Annette Künzl wird noch so Einiges benötigt. Der ASB-Regionalverband Mansfeld-Südharz e.V. betreibt für die Beschaffung und Verteilung von Sachspenden ein kleines Spendenlager und eine Kleiderkammer. Hier finden die Flüchtlinge guterhaltene Kleidung, Haushaltsartikel, Spielsachen sowie Einrichtungsgegenstände. Erst in der vergangenen Woche haben sich „Neu-Hettstedter“ mit Kleidung für die kalte Jahreszeit eindecken können. Zweimal wöchentlich öffnet das Spendenlager, denn die Nachfrage ist ungebrochen. Wer also die Bestände mit Kleidung oder anderen Dingen befüllen möchte, kann dies jederzeit tun. Gebraucht werden vor allem kleine Männergrößen sowie Sport- und Kinderbekleidung.
Ein ganz normaler Arbeitstag verlangt Annette Künzel viel ab. Es ist Organisationstalent und absolutes Zeitmanagement gefragt. Schon muss sie wieder los und Lattenroste in eine neu angemietete Wohnung für Flüchtlinge „liefern“. Für ihr selbstloses Engagement, für ihren unermüdlichen Einsatz und ihr Herzblut sind ihr und den vielen freiwilligen Mitarbeitern in der Flüchtlingshilfe des ASB-Regionalverbandes Mansfeld-Südharz e.V. die Migranten sehr dankbar. So wurden sie alle zu einem gemeinsamen Abendessen in die neu eingerichtete Wohnung einer Flüchtlingsfamilie eingeladen. „Die Tische haben sich unter den köstlichen, exotischen und delikaten Speisen gebogen“, sagt Annette Künzl und schwärmt noch immer von der Gemütlichkeit und zwanglosen Atmosphäre mit 10 Erwachsenen und Kindern verschiedener Nationen in einer gerade mal 70m²-Wohnung. Ihre Augen leuchten, wenn sie erzählt, dass sie so viel Dankbarkeit zurückbekommt.
Flink steigt Frau Künzl in den Transporter, winkt nochmal, sie muss schnell weiter, die Familie wartet auf die neue Schlafmöglichkeit.

Es war beeindruckend zu erleben, mit wie viel Herzblut und mit wie viel Leidenschaft die Mitarbeiter und Ehrenamtler beim ASB-Regionalverband Mansfeld-Südharz im Rahmen der Flüchtlingshilfe im Einsatz sind. Denn erst jetzt beginnt für so viele Neuankömmlinge die eigentliche Integration, jetzt haben sie ein Bleiberecht.